Die Wissenschaft befindet sich in einer Kommunikationskrise. Wissenschaftler:innen kommunizieren viel. Wir denken aber selten besonders viel darüber nach wie und warum wir kommunizieren. Es gibt viele aktive Debatten über die Reform des wissenschaftlichen Publikationswesens, aber selten erreichen sie den Mainstream der Wissenschaft.
Sowohl “das Paper” als auch “das Buch” sind die Standardwährung der akademischen Welt. Diese Publikationsformen sind so tief verwurzelt, dass es heutzutage im Grunde Voraussetzung für eine akademische Karriere ist, eine bestimmte Anzahl von Artikeln in Zeitschriften mit einem bestimmten Prestige (oder Bücher in einem bekannten Verlag) veröffentlicht zu haben. Die Forschung selbst ist zweitrangig, was für die Karriere zählt ist der Ort der Publikation. Wissenschaftler:innen betreiben die Forschung, schreiben die Artikel, begutachten die Artikel und lesen die Artikel — alles ohne Vergütung — aber die sagenhaften Profite werden von den Verlagen eingestrichen (siehe diesen Post von Björn Brembs für weitere Hintergründe dazu).
Ich habe mir über Kommunikation als Wissenschaftler:in viele Gedanken gemacht und ein paar davon in einem englischsprachigen Essay aufgeschrieben. Vielleicht wird sogar eine Serie daraus. Mit “Kommunikation als Wissenschaftler:in” meine ich Kommunikation innerhalb der Wissenschaft, aber auch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, der Zivilgesellschaft und der Öffentlichkeit.
In diesem ersten Essay konzentriere ich mich auf moderne wissenschaftliche Kommunikationsmittel: Webseiten, Social Media und E-Mail. Keines davon ist ausreichend um eine wissenschaftliche Karriere zu starten und zu sichern, aber sie sind einige der besten Wege, um traditionelles akademisches Gatekeeping zu umgehen.